Kei-Car

Von den Kei-Cars in Japan hat man ja schon gelesen. Die Wortverbindung ‚Kei-Car‘ bedeutet wörtlich übersetzt ‚leichtes Automobil‘. Die Japaner sind, was die Fahrzeuge in den Städten angeht, äußerst pragmatisch. Platz ist knapp in den Städten, da müssen eben die Autos klein sein.

Deshalb haben die Japaner für den eigenen Markt eine ganze Familie von Kleinstwagen entwickelt, die Kei-Cars. Aktuell sind rund ein Drittel der Neuzulassungen in Japan Kei-Cars. Die kleinen Flitzer dürfen höchstens 3,39 Meter lang und 1,475 Meter breit sein. Das Motörchen darf maximal 660 cm³ Hubraum haben.

Ein ’normales‘ Fahrzeug muss z.B. in Tokio einen eigenen Parkplatz nachweisen, ein Kei-Car nicht. Auch die Kfz-Steuer fällt wesentlich günstiger aus, so dass sich auch eine normale Familie ein Fahrzeug leisten kann.
Privatleute erhalten ein Nummernschild in gelb mit schwarzer Schrift für ihr Kei-Car.

Trotz der Begrenzung auf eine Minigröße gibt es Kei-Cars in den verschiedensten Karosserieformen. Microvan, Minibusse oder harte Geländewagen haben die Japaner in den kleinen Größenvorgaben untergebracht.

Auch bei uns haben die Japaner versucht, ihre Kei-Cars zu verkaufen. Der Daihatsu Cuore war ein solcher Versuch. Heute sind die kleinen Hopser echte Liebhaberstücke. Ein solches ist dieser Tage bei den Lackwerkern in der Schweinfurter Porschestraße eingelaufen.

Die Besitzer hat seinen Straßenfloh liebgewonnen und möchte ihm für die nächsten Jahre ein neues Lackkleid spendieren. Alte Karren von gestern sind heute angesagte Retrokisten.

Einst war das Ziel der Japaner, als sie den Daihatsu Cuore in Deutschland vorstellten, zum Sparpreis seine Passagiere zuverlässig durch die City zu chauffieren.

Ja sicher, den Cuore kann man auch auf den Landstraßen fahren, aber so richtig Spaß macht das Autolein in der Stadt. Da ist der Cuore das billigste Fortbewegungsmittel, gleich nach dem Fahrrad.

Dorfschmiede und Autobastler haben bei diesem Auto gute Karten. Man braucht für fast alles nur ein paar normale Schraubenzieher und Schraubenschlüssel. Spezialwerkzeuge werden nicht gebraucht.

Elektrische Helferlein haben die Japaner auf ein Minimum beschränkt. Das ist gut so, was nicht da ist kann nicht kaputt gehen. Die einfache Konstruktion erspart dem Besitzer jede Menge teure Arbeitsstunden im Falle einer Reparatur – Zeit ist Geld.

Klimaanlage? Zu was braucht ein Cuore, das ‚Herzchen‘ (so die freie Übersetzung aus dem Italienischen) eine Klimaanlage?

Das Schönste kommt zum Schluss. Der Kunde hat für seinen Daihatsu Cuore 1.0 aus 2006 ganze 1200 Euro bezahlt. Die knapp 100.000 km auf der Uhr störten ihn dabei wenig.

Im Original was das Autolein silbergrau lackiert. Der Kunde hat sich für das neue Kleid für ein elegantes Dunkelblau entschieden. Das machte aus dem kleinen ‚Herzchen‘ ein richtig elegantes Limousinchen. Ein echter Schlager ist, der Cuore hatte sogar 4 Türen.

Die Gutachter geben dem Daihatsu Cuore gute Noten in Sachen Rost. Rost am Rahmen und an den tragenden Teilen ist eher selten. Ebenso gibt es gute Noten für Bremsleitungen, -schläuche und andere Verbindungen. Das Motörchen des Kundenautos hat 55 PS. In Japan wurde der Kleinstwagen unter dem Namen Mira angeboten.

Der immer vorlaute Azubi bei den Lackwerkern hat die Ansage gemacht: „Ich hol mal derweil das kleine Farbtöpfchen und den dünnen Pinsel, ihr könnt ja schon mal mit dem Streifchen Schmirgelpapier ran…”

Der Besitzer hat sich jedenfalls gefreut, als er mit seinem kleinen ‚Herzchen‘ in tiefem Dunkelblau vom Hof getuckert ist. Er fährt heute ein angesagtes Retromobil mit gutem Gewissen für den Stadtverkehr.